Der Film Beau travail überträgt die Geschichte von Herman Melvilles Erzählung Billy Budd, an der er bis kurz vor seinem Tod 1891 schrieb, in die Gegenwart und von der Schifffahrt in die Fremdenlegion. Im Film heißt der stille Außenseiter Sentain und wird wie Billy vom Kapitän und im Film vom Kommandanten der Wüstenlegion als handsome bezeichnet. Dessen Adjutant, der nie der Schönste, aber immer der Tüchtigste war, ist eifersüchtig und inszeniert den Untergang des Neuankömmlings in der Salzwüste.
Die Autoren des Films, von Claire Denis inszeniert, greifen alle die Klischees von soldatischer harter Männlichkeit und homoerotischer Gemeinschaft auf und präsentieren sie mit einer ästhetischen Kühle, mit der sie sich von der Aufgabe entbunden glauben, ihnen kritisch begegnen zu müssen. Sie übertragen die Stilisierung des militärischen Verhaltens auf die Beziehung der Männer zueinander, sodass die Entpersönlichung die Figuren wie in der Pornografie geschichtslos macht. Zugleich bekommen dieTätigkeiten der Legionäre die Bedeutung archetypischer Rituale, deren koloniale, gewaltvolle Bedeutung nicht hinterfragt, vielmehr von der Musik aufdringlich bestätigt werden. Auch die stattdessen betonte Erotik der Männerkörper verlässt diese Ebene nie und bewegt sich immer an den Rändern des Kitsches, ohne den Mut aufzubringen, sich ihm zu stellen.
Nach einem Besuch eines Hurenlokals in der Stadt, in dem es recht keusch zugeht, die Soldaten den Frauen Luftküsse schicken, gehen die Männer durch die nächtlich leeren Straßen, wobei sie einen der ihren auf den Schultern tragen. Auf der ersten Seite von Billy Budd feiert Melville in der vergleichbaren Szene den ‚hübschen Matrosen‘, dessen natürliche Schönheit auf seine Kameraden wie auf die Passanten wirkt. Im Film feiert die Gruppe ohne Zeugen nicht das Wunder der physischen Schönheit des Einen, sondern in ihrer Männlichkeit auf narzisstische und zugleich heroische Weise sich selbst. Die kurze unverständliche Szene wandelt Eros in Thanatos, erklärlich jedoch durch Bilder von der Prozession in der Karwoche, wenn die spanische Legión den Christo de la Buena Muerte auf dem Kreuz durch Málaga trägt. Im Film ist das Opferlamm des „guten Todes“ ein Schwarzer.
La Legión: Christo de la Buena Muerte

Der Adjutant des Kommandanten gehört nicht zu dieser Gemeischaft. Er ist, wie der Marineleutnant Seblon in Genets Querelle de Brest, der als einziger Homosexueller in der Mannschaft die männliche Gemeinschaft verfehlt, von ihr ausgeschlossen, da er sichtbar macht, was die anderen verleugnen. Das wird in dem Film in seiner Komplexität aber nur klar, wenn man sich an Genets oder Melvilles Buch erinnert. Der Film lässt den psychologischen und gesellschaftlichen Hintergrund der Figuren und überhaupt die Reichhaltigkeit ihrer Darstellung weg und nimmt ihnen dadurch ihr Eigenleben und was Melville die innere Glaubwürdigkeit der Erzählung nannte. Es herrscht ein absurder Gegensatz zwischen der Armut des nahen Dorfes, wo alleine die farbigen Reklamen von Cola und Sprite den Sinn der Anwesenheit der kolonialen Macht verkünden, und dem abgeschirmten, frauenlosen Leben der Legionäre. Wir sehen sie beim Kochen, Wäschewaschen, auch Bügeln, in der Bar des Alpes und bei einer Geburtstagstorte mit Kerzen, aber dann auch bei martialischen Übungen, Unterwasserballetten mit Messer und Duellen muskelstarker Körper. Der große Erfolg des Films liegt in seiner verlogenen Unverbindlichkeit.
In der letzten Einstellung des Films vollführt der Adjutant, schwarz gekleidet wie ein mafioser Salontänzer, falls es so etwas gäbe, in einem leeren Lokal einen wilden Tanz, der sich als ein Aufbrechen der militärischen Versteifung interpretieren lässt, die auch eine Versteifung der Gefühle mit sich brachte, eine Einsicht der Autoren, die für ihre hölzerne Figur und ihr Opfer leider zu spät kommt.
2003
